Deutschland ist kein einheitliches Land. Was in Bayern als selbstverständlich gilt, ist in Köln unbekannt, und was an der Ostseeküste getrunken wird, findet sich kaum in bayerischen Biergärten. Diese Vielfalt ist der Reichtum der deutschen Trinkkultur.
Die regionalen Getränke sind Ausdruck der Identität ihrer Heimat. Sie spiegeln Klima, Geschichte und kulturelle Einflüsse wider und sind oft mit bestimmten Festen, Ritualen oder Speisen verbunden.

Hefeweizen
Bayern
Das Hefeweizen ist das Symbol bayerischer Trinkkultur. Es wird aus mindestens 50 Prozent Weizenmalz gebraut und obergärig vergoren. Die charakteristische Trübung kommt von den in Schwebe gehaltenen Hefezellen.
Die typischen Aromaeigenschaften von Hefeweizen entstehen durch spezifische Hefestämme, die bei der Gärung Ester und Phenole produzieren. Banana-artige Aromen (Isoamylacetat) und nelkige Noten (4-Vinylguaiacol) sind charakteristisch. Das Hefeweizen wird traditionell im 0,5-Liter-Weißbierglas serviert, das nach oben hin bauchig ausläuft.
Kölsch
Köln
Kölsch ist durch die Kölner Konvention geografisch geschützt. Nur Biere aus Köln und der unmittelbaren Umgebung dürfen diesen Namen tragen. Es ist ein obergäriges Vollbier mit hellem Erscheinungsbild.
Kölsch wird im typischen Stangen-Glas serviert, einem schmalen Zylinderglas mit nur 0,2 Litern Fassungsvermögen. Der Kellner, in Köln als Köbes bekannt, bringt automatisch neue Gläser, bis der Gast einen Bierdeckel auf sein Glas legt als Zeichen, dass er keines mehr möchte.
Berliner Weisse
Berlin
Die Berliner Weisse ist ein sehr leichtes, stark gehopftes Weizenbier mit charakteristischer Milchsäuregärung. Napoleon soll sie als das Champagner des Nordens bezeichnet haben.
Traditionell wird Berliner Weisse mit Sirup serviert: Himbeersirup färbt es rot, Waldmeistersirup ergibt eine grüne Farbe. Diese Kombination mildert die Säure des Bieres und macht es zu einem erfrischenden Sommergetränk.
Federweißer
Rheinland-Pfalz, Sachsen, Baden
Der Federweißer ist ein junger Wein in der Gärphase. Er wird direkt nach der Weinlese im Herbst für kurze Zeit angeboten und besticht durch sein fruchtig-spritziges Aroma.
Der Alkoholgehalt des Federweißers variiert stark je nach Stadium der Gärung. Am Anfang enthält er kaum Alkohol, am Ende kann er bis zu 11 Prozent erreichen. Er wird traditionell mit Zwiebelkuchen gegessen, einem herzhaften Hefekuchen mit Zwiebeln, Speck und Schmand.
Radler
Bayern und ganz Deutschland
Ein Radler besteht aus gleichen Teilen Bier und Zitronenlimonade. Die Legende besagt, dass der Radler 1922 in einem bayerischen Wirtshaus für Radfahrer erfunden wurde, um den Alkoholgehalt zu senken.
Heute ist der Radler eines der meistgetrunkenen Sommergetränke in Deutschland. Die Kombination aus dem bitteren Bier und der süß-sauren Limo ergibt ein erfrischendes Getränk mit niedrigem Alkoholgehalt.
Apfelwein
Hessen, Frankfurt
Der Frankfurter Apfelwein, auch Äppelwoi genannt, ist ein vergorener Apfelsaft und das Nationalgetränk Hessens. Er wird traditionell im blauen Bembel, einem Tonkrug, serviert.
In Frankfurt gibt es eigene Apfelweinlokale, die Sachsenhäuser Szenekneipenwelt. Der Apfelwein wird im Gerippten, einem speziellen Glas mit rautenförmigem Muster, getrunken. Er ist trockener und säurebetonter als Wein und hat einen unverwechselbaren, leicht tanninreichen Geschmack.
